Der folgende Text wurde von mir als Abschlussbericht für den DAAD verfasst.

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung – Die Vorgeschichte

    1.1 Warum Südkorea?

    1.2 Organisation und Planung

2. Die Wissenschaft

 2.1 Materialwissenschaften / Anorganische Chemie: Defektstrukturaufklärung durch Messungen der Hall-Spannung an La2NiO4

 2.2 Biochemie / Pflanzenbiotechnologie / Genetik: Die Arbeit im „Molecular Signaling Lab"

    2.3 Seoul National University – Selbsternanntes „Harvard Koreas“?

3. Land, Leute und Kultur

    3.1 Seoul – Hexenkessel mit Flair

    3.2 Kyungju, Busan, Jeju – Das andere Gesicht Koreas

    3.3 Zzimzilbang, Noraebang & Co. – Freizeitgestaltung in Korea

4. Erfahrungen und Tipps

    4.1 Was nicht vergessen werden sollte

    4.2 Alltag in Korea

    4.3 Hilfreiche Links und Adressen

5. Danksagung

 1. Einleitung – Die Vorgeschichte

Wow, das ist mutig! Wieso ausgerechnet dahin?“

 Dieser Satz begegnete mir oft, als ich Verwandten und Freunden von meinem Plan erzählte, ein Auslandssemester in Korea zu verbringen. Oft kam danach die Frage, ob ich denn „das gute oder das böse Korea“ besuche. Nach meiner Auskunft, ins „gute Korea“ zu fliegen, hörte ich dann „Ah, also Nordkorea!“.

1.1 Warum Südkorea?

Südkorea gehört zu Asiens Tigerstaaten. Enormer wirtschaftlicher Aufschwung seit Ende der 80er Jahre, ein Lebensstandard, der dem westeuropäischen und US-amerikanischen inzwischen in nichts nachsteht, eine Gesellschaft, die mit den Problemen eines viel zu schnellen Wandels zu kämpfen hat – und nebenbei ein starkes Traditionsbewusstsein und Verflechten der weit zurückreichenden Kultur mit modernen Einflüssen. Für viele Deutsche ist Korea ein unscheinbares Land zwischen den beiden dominierenden asiatischen Staaten China und Japan. Doch namhafte koreanische Firmen begegnen uns täglich: Hyundai-Embleme auf Kühlerhauben, LG-Logos auf Telefonen und Samsung-Schriftzüge auf Fernsehern. Viele Koreaner wohnen in Deutschland und bereichern unser Land mit Restaurants, Taekwondo-Schulen oder koreanischen Veranstaltungen. Seit den 70er Jahren, wo etliche Koreanerinnen als Krankenschwestern  und Koreaner als Bergarbeiter nach Deutschland kamen, treten sie repräsentativ für ihr Land auf und haben – soweit ich das überblicke – einen hervorragenden Eindruck hinterlassen. Man kennt sie in der Regel als freundliche Menschen, immer höflich, immer lächelnd, immer mit einer sympathischen Zurückhaltung. Ich hatte das außerordentliche Glück, einen sehr tiefen Einblick in eine koreanische Familie (mit drei Kindern) zu erhalten. Durch meine Partnerschaft mit der ältesten Tochter dieser Familie lernte ich Sprache, Küche, Mentalität und ein Stück Kultur kennen, was mich seitdem fasziniert. Da lag der Gedanke nahe, im Rahmen des Chemie-Studiums an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster ein Auslandssemester in Seoul zu verbringen, um diese Eindrücke zu intensivieren, die sprachlichen Fähigkeiten zu verbessern und – nicht nur nebenbei – die koreanische Art von Wissenschaft und Forschung kennen zu lernen. Im Folgenden möchte ich davon berichten.

1.2 Organisation und Planung

Im Frühjahr 2005 habe ich das erste Mal in meinem Fachbereich nachgefragt, ob es bereits Kontakte zu koreanischen Hochschulen gibt. Lediglich ein Professor „kannte dort jemanden“, ansonsten war nach Auskunft aller Lehrenden noch nie ein Student in Korea. Daher war Eigeninitiative gefragt. Von einer koreanischen Kommilitonin erfuhr ich, dass für mich die Seoul National University (SNU) am besten geeignet sei. Ich habe daher zunächst einen Plan aufgestellt, welche Studienleistungen ich gern in Korea erbringen wollte (ich wählte zwei Praktika plus zugehörige Seminare aus, die in meinem Studienverlaufsplan für das achte Semester vorgesehen sind), schrieb dann Professoren der SNU an, in deren Arbeitskreisen ich Praktika dieser Art durchführen könnte. Jener Bekannte eines Münsteraner Professors reagierte begeistert auf meine Anfrage und sicherte mir einen Praktikumsplatz zu, bald darauf fand ich auch einen zweiten Professor für das zweite Praktikum (im Juli 2005). Dann wurde es konkret: Im August 2005 wandte ich mich zur Finanzierung des Unterfangens mit einer Bewerbung um ein Stipendium an den DAAD. Die Bewerbung empfand ich als einfach, aber zeitaufwendig, da viele Dokumente beschafft werden müssen. Gerade der Nachweis von Englisch-Kenntnissen dauert mitunter recht lange, da die Universitäten, die Sprachtests anbieten, sehr ausgelastet sind.

Eine wichtige Frage war nun die Einschreibung. Ein koreanisches Semester geht von März bis August, nicht wie in Deutschland von April bis September. Außerdem müsste ich dann Studiengebühren zahlen, die in Korea horrend sind. Ferner muss ich eh in Münster eingeschrieben bleiben, damit meine Leistungen angerechnet werden können. Nach Absprache mit dem DAAD schrieb ich mich also nicht an der SNU ein. Die beiden Professoren nahmen mich auch so in ihren Gruppen auf.

Ich organisierte Flugtickets, während sich ein Student aus dem Arbeitskreis des einen Professors um eine Wohnung für mich kümmerte. Dieser hatte leider die Frist für die Anmeldung im Studentenwohnheim verpasst und wollte nun außerhalb des Campus nach einer Wohnung suchen. Ich hatte die Wahl zwischen einem Zimmer mit "Meal service" (also Frühstück und Abendessen von der Vermieterin) und "Laundry service" (sie wäscht meine Wäsche), allerdings ohne Bett (schlafen auf einer Art Luxus-Isomatte auf dem Boden), und einem Zimmer mit eigenem Badezimmer und Bett, aber ohne jeglichen Service. Beide kosten 400.000 Won pro Monat (etwa 350 Euro). Ich habe mich für das erste Zimmer entschieden, da ich das koreanische Essen probieren wollte.

In der Zwischenzeit musste ich mich um ein Visum kümmern. Ich informierte mich auf der Internetseite der koreanischen Botschaft in Deutschland, die mich auf den Visa Express Service (VES) verwiesen. Ich nutzte diesen Service, bekam aber kein Visum, da die Koreanische Botschaft eine Einschreibebestätigung verlangte, um ein Studentenvisum auszugeben. Als geklärt war, dass ich eher eine Art Praktikantenvisum brauche, war der Abflugtermin bereits zu nahe gerückt. Sie rieten mir also, erstmal so nach Seoul zu fliegen und dann dort ein Visum zu beantragen. Das sei zwar schwieriger für mich wegen der Sprache, aber es ginge ja nicht anders. Ich darf 90 Tage auch ohne Visum in Korea bleiben, das sollte Zeit genug sein. Letztendlich habe ich gar kein Visum beantragt, bin nach 90 Tagen für eine Woche aus Korea ausgereist und durfte danach wieder 90 Tage bleiben. Ob diese Methode empfehlenswert ist, sei dahingestellt…

Damit war im Wesentlichen alles organisiert. Nach dem Auszug aus der Wohnung in Münster und wohlüberlegtem Kofferpacken (35 kg sind nicht viel für ein halbes Jahr…) verließ ich Deutschland am Abend des 30. März 2006.

2. Die Wissenschaft

2.1    Materialwissenschaften / Anorganische Chemie: Defektstrukturaufklärung durch Messungen der Hall-Spannung an La2NiO4

Kurzbeschreibung

Im Arbeitskreis von Prof. Han-Ill Yoo, der sich mit der Untersuchung von Defektstrukturen in Keramiken und ionischen Halbleitern beschäftigt, untersuchte ich im Rahmen eines Praktikums vom 3. April bis zum 28. Juni Probenkörper aus Lanthannickeloxid La2NiO4. Über die Messung der Hall-Spannung, die auftritt, wenn Ladungsträger, die sich in bestimmter Richtung bewegen, in ein Magnetfeld gebracht werden, das senkrecht zur Bewegungsrichtung steht, wollte ich wertvolle Informationen über die Beschaffenheit der Defektstruktur in diesem Material erhalten.

In den ersten Wochen war meine Hauptaufgabe, die Messapparatur zu bauen, das heißt sie so zu konstruieren, dass alle Anforderungen an sie erfüllt werden:

Auf dem Bild ist das Ergebnis von drei Wochen Planen, Löten, Verschrauben, Umbauen, Modifizieren und Verbessern zu sehen. Der Probenteller befindet sich samt Thermoelement (zur Temperaturbestimmung) in einem Keramikheizrohr, welches von einem Wasserkühlsystem umgeben ist (um Temperaturschwankungen zu vermeiden). Sie passt exakt in den im Labor vorhandenen Elektromagneten.

Nebenbei stellte ich eine Vielzahl von Probenkörpern her. Lanthan- und Nickelsalze wurden per „Liquid mixing method“ zu einem Mischsalz vermengt und in einem Hochtemperaturofen zu Lanthannickeloxid gebrannt. Die Reinheit der Substanz wurde durch Röntgenstrukturanalyse bewiesen. Anschließend wurden aus dem Pulver Körper gepresst, aus denen die passenden Proben mit einer automatischen Säge ausgesägt wurden (eine Prozedur, die einen ganzen Tag in Anspruch nimmt). 

Da niemand im Arbeitkreis wirklich wusste, wie man so eine Messung durchführt (es wurde seit 1997 nicht mehr in dieser Gruppe gemacht), sammelte ich zunächst Erfahrung, was recht zeitaufwendig war. Es galt, herauszufinden, wie ich Temperaturschwankungen in den Griff bekomme, wie die technischen Geräte zu bedienen waren (zur Verfügung standen ein Function Generator und ein Lock-In Amplifier, beides Multifunktionsgeräte mit 400 Seiten starken Handbüchern), welche Tücken der 20 Jahre alte Elektromagnet aufwies und welche Probenkörpergeometrien die geeignetsten sind (Literaturrecherche brachte nur die Erkenntnis, dass jeder Autor etwas anderes bevorzugt). Als die Messungen dann funktionierten, lieferten sie dann jedoch (zumindest teilweise) sehr brauchbare Werte, die zwar noch in weiteren Messungen zu überprüfen sind, allerdings bereits Schlüsse zulassen, die den Erwartungen entsprechen. Nachdem ich die Gruppe verlassen hatte, übernahm ein Arbeitskreismitglied mein „Projekt“ und forscht auf Basis meiner „Vorarbeit“ weiter daran im Rahmen seiner Master-Arbeit.

Zwei mal pro Woche wurde in einem Mitarbeiterseminar zum einen über die Projekte der einzelnen Arbeitskreismitglieder referiert und zum anderen wurden allgemeine, die Arbeit der Gruppe betreffende Themen, oft aus der aktuellen Forschung, diskutiert. Das Seminar wurde auf Koreanisch gehalten, bei wichtigen Themen oder für mich relevanten Aspekten wurde allerdings dann auf Englisch umgeschaltet.

Arbeitsbedingungen

Der Arbeitskreis Yoo, der elf Mitarbeiter hat (zumindest zu der Zeit, in der ich dort war), verfügt über zwei Labore und zwei Büroräume. Die Büroräume bieten einen Arbeitsplatz für jeden und sind angemessen mit Computern und Büromaterial ausgestattet. Alle wichtigen Bücher und Nachschlagewerke sind hier zu finden. Die Laborräume sind sehr alt, das Gebäude ist etwa 50 Jahre alt. Besonders die Abzüge sind korrodiert und scheinen ihre Wirkung (das Absaugen von Chemikaliendämpfen) nicht mehr erfüllen zu können. Dennoch sind die Labore mit allen nötigen Utensilien ausgestattet, die alle Normen und Sicherheitsvorschriften erfüllen. Moderne Hochtemperaturöfen, Induktionsöfen, Keramikröhrenöfen und alle beliebigen Messvorrichtungen, digital wie analog, mit einer Vielzahl von Computern mit Auswertungsprogrammen, sind vorhanden. Das Institut verfügt nicht über eine „Chemikalienkammer“, man muss also alle Chemikalien, Geräte und Verbrauchsmaterial (wie Papiertücher) selbst bestellen oder im Großmarkt einkaufen. Bei unvorhergesehenen Schäden sind daher leider keine Ersatzteile sofort verfügbar, was oft Zwangspausen verursacht.

Die Arbeitszeit wurde von Prof. Yoo nicht explizit vorgegeben, allerdings stellte er hohe Anforderungen an Quantität und Qualität der Ergebnisse. Die meisten AK-Mitglieder verbrachten 15 Stunden und mehr pro Tag in der Uni, viele schliefen auch dort (es gab drei Klappbetten). Der Samstag ist ein Werktag und auch sonntags wurde in der Regel gearbeitet. Prof. Yoo erlaubte mir allerdings, so viel Zeit frei zu nehmen, wie ich brauche, um das Land anzuschauen und Seoul kennen zu lernen.

Den Umstand, dass der Arbeitskreis nur aus männlichen Mitgliedern besteht, bewerte ich als Nachteil für die Gruppenharmonie. Meine Erfahrung sagt, dass die Zusammenarbeit viel lockerer und effektiver funktioniert, wenn Frauen mitarbeiten. Der Zusammenhalt auch außerhalb des Labors (Partys, gemeinsame Restaurantbesuche, Wochenendaktivitäten) war in dieser Gruppe nicht so ausgeprägt wie in allen anderen Arbeitskreisen, die ich bisher kennen gelernt habe. Dennoch fühlte ich mich gut in der Gruppe aufgenommen, man respektierte und unterstützte mich, half mir aber auch mit konstruktiver Kritik. Besonders mein wissenschaftlicher Betreuer, mit dem ich immer noch in sehr freundschaftlichem Kontakt stehe, bemühte sich außerordentlich, meine Zeit in diesem Arbeitskreis so angenehm wie möglich zu gestalten.

Das Praktikum wird mir von Prof. Dr. Wiemhöfer als Studienleistung anerkannt. Ein entsprechendes Praktikum in Münster hätte drei Wochen gedauert. Die drei Monate, die ich an diesem Thema geforscht habe, waren sicherlich trotz der sprachlichen Barrieren und der Eingewöhnungsphase am Anfang sicherlich effektiver im Hinblick auf die Vermittlung von Erfahrung mit wissenschaftlichem Arbeiten.

Lernerfolg, wissenschaftlicher Erfahrungszuwachs

Das Thema Defektstrukturen wurde im Laufe meines Studiums an der WWU Münster nur sehr untergeordnet behandelt. Ich wies merkliche Wissenslücken in diesem Gebiet auf, die ich durch dieses Praktikum weitgehend schließen konnte. Die Beschäftigung mit dem theoretischen Hintergrund meiner Experimente und das gewissenhafte Auswerten der erzielten Ergebnisse trugen dazu bei. Auch die handwerkliche Komponente, also das Erlernen von Arbeitsmethoden und Verfahren auf dem Gebiet der Materialwissenschaften, hat mich einen Schritt weiter gebracht. Darüber hinaus habe ich erfahren, wie schnell man sich an eine 80-Stunden-Woche gewöhnen kann, wenn man Arbeiten durchführt, die Spaß machen, die motivieren, bis zum Erfolg durchzuhalten und die den eigenen Horizont erweitern. Das Erleben von „koreanischer Arbeitshaltung“ wird sicherlich meine zukünftige Arbeitsmoral beeinflusst haben.

2.2    Biochemie / Pflanzenbiotechnologie / Genetik: Die Arbeit im „Molecular Signaling Lab“

Kurzbeschreibung

Vom 5. Juli bis zum 29. September absolvierte ich ein Praktikum im Arbeitskreis von Prof. Chung-Mo Park, dem „Molecular Signaling Lab.“. Hier wird die Modellpflanze Arabidopsis thaliana genetisch untersucht. Fast alle Arbeiten beruhen auf dem Auffinden und Züchten von Mutationen, wobei vier Pflanzengenerationen aufgezogen werden müssen, um einen Pool an Mutanten zu haben, der dann ausführliche Untersuchungen zulässt. Das nimmt etwa sieben bis acht Monate in Anspruch, so dass ich nach Absprache mit dem Professor kein eigenes Projekt erhielt, sondern am Forschungsthema meines Assistenten teilnahm, um dabei alle in diesem Labor gängigen Arbeitstechniken und Verfahren zu erlernen. Mein Ziel war es daher, am Ende einen weitgehenden Überblick darüber haben, welche Möglichkeiten die Genforschung an Pflanzen bietet.

Arabidopsis thaliana gilt als Modellpflanze für die Genetiker. Die gesamte DNA ist entschlüsselt, das Wissen um die Funktion der 25-30,000 Gene ist recht groß und wird täglich erweitert. Der AK Park verfügt über einen Pool von etwa 5,000,000 Saatkörnern, in dessen DNA irgendwo ein kurzes Stück DNA eingebaut ist (Prof. Park hatte diese Saat in seinem Job hergestellt, bevor er Professor wurde). Die Masterstudenten und Doktoranden müssen nun Pflanzen pflanzen (1. Generation), die mit dem Wildtyp verglichen werden. Wenn es signifikante Unterschiede gibt (d.h. ein Phänotyp auftritt), liegt es nahe, dass dies aufgrund eines geblockten Gens passiert, weil genau dort jenes Stück DNA eingebaut ist. Mit der Saat dieser Pflanze wird die zweite Generation gepflanzt, dort kann dann untersucht werden, an welcher Stelle sich die T-DNA (die insertierte Sequenz) befindet, welches Gen also blockiert ist. Dazu gibt es eine Datenbank mit allen genetischen Informationen über Arabidopsis im Internet. Da in der ersten Generation in der Regel nur eins der beiden Chromosomen die T-DNA trägt, treten in der Folgegeneration natürlich drei verschieden Typen auf: der Wildtyp ohne die Sequenz, hetero-Pflanzen mit der Sequenz nur in einem Chromosom und homo-Pflanzen mit der Sequenz in beiden Chromosomen. Da nur letztere von Bedeutung sind, muss aus jeder Pfanze eine dritte Generation gepflanzt werden, wobei die Bedingungen (das Medium, auf dem die Pflanzen wachsen) so gewählt werden, dass man den Homotyp daran erkennt, dass alle Pflanzen überleben. Findet man einen solchen Typ, muss wiederum eine vierte Generation gepflanzt werden, um einen Pool an Pflanzen zu haben, mit dem dann die "richtigen" Experimente durchgeführt werden. Da jede Generation etwa zwei Monate wachsen muss, wird verständlich, warum ich kein komplettes Projekt bekommen kann, dafür reichen die drei Monate einfach nicht. Das Wichtige bei dieser Arbeit ist natürlich, den "Clou" herauszufinden: Man muss beweisen, dass das Auftreten des Phänotyps tatsächlich mit dem geblockten Gen zusammenhängt. Ein Beispiel: Eine Pflanze blüht viel später als alle anderen. Ich finde heraus, dass ein bestimmtes Gen geblockt ist und postuliere, dass dieses Gen offenbar mit dem Blühen zu tun hat. Dann kann ich beispielsweise eine Overexpression-Line herstellen (das "klassische" Klonen), das ist im Grunde das Gegenteil der "Knock-out"-Line, also eine Pflanze, in der dieses Gen viel mehr expressiert wird als im Wildtyp. Blüht die Pflanze dann viel früher, ist das ein Hinweis auf die Richtigkeit meiner These. Ich kann die RNA aus verschiedenen Pflanzenteilen extrahieren und mit Northern Blotting feststellen, in welchem Teil der Pflanze "mein" Gen besonders expressiert wird, bzw. wo es durch mein Blockieren des Gens dann entsprechend besonders fehlt (sollte das für dieses Beispiel in der Blüte sein, habe ich wieder einen Hinweis...). Komplizierter wird es, wenn sich herausstellt, dass zwei Gene für dieselbe Eigenschaft verantwortlich sind. Dann kann ich Pflanzen kreuzen (Double knock out) und weitere Effekte beobachten. Die Fülle an durchführbaren Experimenten ist unendlich, vom simplen Beobachten, über das Ausmessen von Pflanzenteilen, Anlegen von Stressfaktoren (wenig Licht, tiefe Temperatur, zu viel Salz im Boden, etc.), bis hin zum Einführen von DNA-Sequenzen, die bestimmte Proteine in der Pflanze entstehen lassen. Letzteres ist die wichtigste und am meisten angewandte Arbeitstechnik in diesem Labor: Das Klonen. Dazu wird die DNA einer Pflanze entnommen, modifiziert (meist Insertieren von bestimmten Sequenzen) und wieder in die Pflanze eingebracht (Infiltration).

Erklärtes Ziel der Forschung in dieser Gruppe ist das Auffinden von genetischen Zusammenhängen, also welches Gen welche Funktion für die Pflanze hat.

Ein Mitarbeiterseminar, ein „Literature club“ (zur Erörterung neuster Publikationen) und ein Meeting zur Besprechung und zum Zusammentragen gruppeninterner Forschungsergebnisse – alle drei wöchentlich – begleiten das Arbeiten in dieser Gruppe. Wenn ich involviert war, wurde Englisch geredet, jedoch standen einige AK-Mitglieder damit vor großen Schwierigkeiten.

Arbeitsbedingungen

Der Arbeitskreis Park (15 Mitglieder) forscht in zwei Laborräumen. Der Laborplatz ist gleichzeitig auch Büroplatz, nur wenige bringen daher Laptops mit, sondern benutzen für Internetrecherchen einen von zwei Arbeitskreisrechnern.

Die Labore sind nach modernsten Standards eingerichtet. Es gibt drei Reinarbeitsbänke, an denen Arbeiten durchgeführt werden können, die Sterilität und absolute Keimfreiheit erfordern. Sechs PCR-Maschinen ermöglichen, dass jeder fast ohne Verzögerung stets diese essentielle Methode der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) zur Vervielfältigung von DNA-Sequenzen anwenden kann. Eine Vielzahl von Schüttelinkubatoren, Kulturschränken, Tieftemperaturschränken (-78°C), Kühlschränken und Heizblöcken ermöglichen reibungsloses Arbeiten.

Herzstück sind zwei große klimatisierte Gewächsräume, in denen die Pflanzen unter optimalen Bedingungen gedeihen können. Darüber hinaus können spezielle Bedingungen (Licht, Temperatur…) in drei Gewächsschränken und zwei Lichtkammern (zur Behandlung mit UV- oder IR-Licht) eingestellt werden.

Mikroskope, Dunkelkammer zur Entwicklung von Filmen, Feinwaagen und Zentrifugen sind selbstverständlich vorhanden. Darüber hinaus verfügt ein Labor über eine Apparatur zur Verwendung von radioaktiv markierten Substraten, was viele nützliche Experimente unter ausreichenden Sicherheitsbedingungen möglich macht.

Als feste Arbeitszeit war von Prof. Park Montag bis Samstag von 9 bis 21 Uhr vorgegeben (Samstag durfte man eher gehen), was von fast allen AK-Mitgliedern allerdings weit übertroffen wurde. Ein 17-Stundentag war keine Seltenheit, denn die Arbeit riss nie ab. Allerdings hatte ich eine gewisse Sonderposition, denn ich durfte die Universität für andere Aktivitäten verlassen, wenn ich wollte (was gerade in der zweiten Hälfte des Semesters immer häufiger vorkam).

In dieser Gruppe wurden oft gemeinsame Wochenendfahrten organisiert, gemeinsame Restaurantbesuche oder ähnliches. Ich hatte den Eindruck, die Studierenden gingen nicht zuletzt dadurch mit merklich mehr Engagement und Freude durch den Tag im Labor. Es herrschte gute und kollegiale Kommunikation.

Lernerfolg, wissenschaftlicher Erfahrungszuwachs

Ich bin überzeugt, einen Großteil der in diesem Labor angewandten Techniken und Methoden mindestens einmal (meist öfter) durchgeführt und damit erlernt zu haben. Da die Thematik im Grunde weit im Grenzgebiet zwischen Biochemie und Biologie liegt (eigentlich schon eher Biologie), habe ich es als Chemiker genossen, einmal etwas stark Fachübergreifendes zu lernen, was mir bisher versagt blieb. Ich legte zwar einen biochemischen Fokus auf viele wissenschaftliche Betrachtungen, was mein Assistent so bisher in seiner Arbeit nicht getan hatte, doch sind die biologischen Arbeiten, wie allein das Aufziehen und Pflegen der Pflanzen, eine gänzlich neue Erfahrung für mich. Durch die hohe Arbeitsauslastung (obwohl ich nicht von „Belastung“ im negativen Sinne sprechen möchte) lernte ich in drei Monaten unglaublich viel. Während ich im Institut für Biochemie in Münster in den Gebieten der Zellbiochemie (stark auf Proteine ausgerichtet) und Molekularbiologie ausgebildet werde, habe ich hier etwas über das große Gebiet der Genetik und Pflanzenbiotechnologie gelernt. Das Praktikum wird mir von Prof. Dr. Galla als Studienleistung anerkannt. Auch hier hätte das entsprechende Praktikum in Münster drei Wochen gedauert, es gilt also das gleiche, wie schon im anderen Praktikum: Ich habe deutlich mehr gelernt!

2.3 Seoul National University – Selbsternanntes „Harvard Koreas“?

Die SNU genießt innerhalb Koreas einen außerordentlich guten Ruf. Sie nimmt nur die besten Highschool-Absolventen und wer einen Studienplatz bekommt, hat einen späteren Job so gut wie sicher. Auf vielen Werbetafeln auf dem Campus ist zu lesen, dass die SNU so etwas wie das „Harvard Koreas“ sei, also eine Eliteschule auf höchstem Niveau. In der Tat erfüllt die Universität augenscheinlich alle Anforderungen, die an eine Elitehochschule zu stellen sind: gute Absolventen, geringe Abbrecherraten, die national höchste Drittmitteleinwerbung, gute Ausstattung (von manchen renovierungsbedürftigen Gebäuden einmal abgesehen) und zukunftsorientierte, sinnvolle Investitionen und Innovationen (z.B. das neue College for Agriculture & Life science). Viele international wichtige und wegweisende Konferenzen, Symposien und Meetings werden veranstaltet, es gibt ein ausgeprägtes Sport- und Freizeitangebot, alle denkbaren kulturellen Gruppen (Musik, Theater, Tanz, Kunst, Film, etc.) und eine riesige, gut gefüllte und genutzte Bibliothek. Auf dem Campus befinden sich vier große Mensen, jede mit einem zusätzlichen Nobelrestaurant und weiteren Einkaufsmöglichkeiten, sowie Postämter, Bankfilialen, Frisör, Schuhmacher und anderen Dienstleistern. Ein großer Wohnheimpark bietet einer großen Zahl von Studenten Wohnraum.

Dennoch sind gewisse Mängel nicht zu übersehen. Das koreanische Bildungssystem krankt an zwei Stellen: Zunächst ist die Ausbildung eines jungen Menschen in Korea sehr stark abhängig vom Geldbeutel der Eltern, auch und vor allem während der Schulzeit (Middle school und high school). Wer sich einen teureren Nachhilfelehrer leisten kann, hat die besseren Schulnoten. Elitehochschule heißt leider in diesem Fall, dass hier die Kinder der finanziellen Oberschicht Koreas studieren (Ausnahmen bestätigen die Regel). Des Weiteren ist sehr auffällig, dass koreanische Kinder eine ganz andere Lernweise lernen als die deutschen. Es wird alles auswendig gelernt. Nur wenige lernen „auf Verständnis“, wie es in deutschen Schulen gelehrt und and an deutschen Universitäten angewandt wird. Der koreanische Student verbringt sehr viel Zeit damit, Wissen einfach in den Kopf zu schaufeln, Fakten zu lernen und Daten zu speichern. Das macht die Arbeit und das Lernen sehr uneffektiv, da aus einfach auswendig Gelerntem nichts Neues entwickelt werden kann. Es hapert oft an der Umsetzung des Gelernten oder am konsequenten Weiterdenken. Besonders ist mir das an der Sprache aufgefallen: Alle können Englisch, die meisten wissen Vokabeln, die man selten braucht oder die nicht so geläufig sind, und trotzdem haben sie Schwierigkeiten, zu sprechen, weil sie bei all dem Auswendiglernen vergessen haben, ein Sprachgefühl zu entwickeln.  Ferner bin ich dem Gerücht nachgegangen, dass das Vorlesungsniveau vieler Veranstaltungen eher auf Gymnasialniveau sei, und die Studierenden trotzdem klagen, es sei so schwer. In vielen Punkten hat sich gezeigt, dass das stimmt. Zum Beispiel wurde eine einfache Thermodynamik-Vorlesung, die in Münster in der Form für Studierende im ersten Semester angeboten wird, von Master-Studenten im 8. Semester als „sehr schwer verständlich“ bezeichnet.

Darüber hinaus sind koreanische Studenten noch sehr unselbständig. Während ich es aus Münster kenne, dass ich meinen Universitätsalltag selbst organisieren muss, meinen Stundenplan selbst erstelle und mich selbst zurechtfinden muss, werden die koreanischen Studenten in allen Belangen an die Hand genommen und geführt. Das führt zu einer gewissen Ordnung und dazu, dass niemand planlos einen Hörsaal sucht, jedoch ist die Überraschung um so größer, wenn man aus dem schulartigen Universitätssystem in die Arbeitswelt, in der Selbständigkeit gefordert ist, entlassen wird.

Auch das neueste Hochschulranking zeigt, dass die SNU zwar national eine Größe sein mag, gemessen an internationalen Standards jedoch noch Nachholbedarf hat.

Ein weiterer Aspekt ist nur aus meiner deutschen Sicht bemerkenswert: Die Wohnheime sind streng getrennt in Frauen- und Männerwohnheime, ein Hausmeister passt jeweils akribisch auf, dass das auch eingehalten wird (es droht Rauswurf!). Diese Situation wäre in Deutschland undenkbar.

Nichtsdestotrotz kann ich die Seoul National University als Ziel für ein Auslandssemester sehr empfehlen! Die beiden anderen „großen“ Universitäten sind die Yonsei University und Korea University, beide in Seoul. Für „Künstler“ ist die Hongik University (Seoul) am besten geeignet, sie ist bekannt für eine hervorragende Ausbildung in diesem Bereich.

3. Land, Leute und Kultur

3.1 Seoul – Hexenkessel mit Flair

In und um Seoul wohnen fast 20 Millionen Menschen. Das bedeutet, dass fast 45 % aller Koreaner dieser Welt dort wohnen. Seoul ist die Vorzeigestadt Koreas, in der jüngsten Geschichte stark geprägt durch zwei Veranstaltungen, die die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf Seoul lenkten: Die olympischen Sommerspiele 1988 und die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2002 (zusammen mit Japan). Nicht nur der Olympiapark und das Worldcup Stadium prägen das Stadtbild. Die Veranstaltungen haben die Stadt verändert. Es wurden enorme Anstrengungen (finanziell, architektonisch, politisch, etc.) unternommen, um der Welt eine Stadt mit Flair zu präsentieren, die Tradition mit Moderne eint, die freundlich erscheint, die gleichzeitig wirtschaftliche Stärke und spirituellen Frieden symbolisiert. Steht man auf dem Seoul Tower, einem Fernsehturm mit Aussichtsplattform in der Stadtmitte, so erstreckt sich die Stadt in alle Himmelsrichtungen bis zum Horizont, ein Meer von Hochhäusern. Doch immer wieder fallen weite grüne Parks auf, traditionell anmutende Tempelanlagen und der majestätische Fluss Han, der sich quer durch die Stadt windet. Tagsüber sieht man noch die braune Smogglocke über der Stadt, doch nachts, wenn die Lichter angehen, offenbart sich dem Betrachter eine wunderschöne Weltstadt, in der das Leben pulsiert. Seoul ist nicht nur Wirtschafts-, Finanz- und politisches Zentrum Koreas. Es ist ebenso Kulturhauptstadt und Sporthauptstadt. Am auffälligsten ist der Verkehr. Er brandet. Oder steht. Seoul ist auf der einen Seite völlig chaotisch, bietet aber auf der anderen Seite auch sehr viel Raum zum Entspannen, zum Entfliehen vor der Hektik, ohne die Stadt verlassen zu müssen (was aufgrund des Verkehrs eh zu lange dauern würde). Die Seouliter, wie sie genannt werden wollen, haben eine Methode gefunden, in diesem Moloch ihr Stück Welt umzusetzen. Das merkt man an jeder Ecke: unzählige Restaurants, Bars, Vergnügungsmöglichkeiten, etc., weit mehr als ich es jemals in einer anderen Stadt gesehen habe (und ich habe immerhin auch Tokio besucht…). Der Koreaner gibt sich unglaublich viel Mühe, den wenigen Raum, den er hat, mit möglichst viel Leben zu füllen, was sich im Flair dieser Wahnsinnsstadt ohne gleichen niederschlägt. Wer sich drauf einlässt, wird mitgerissen. Wer (Platz-)Angst hat, sollte besser nicht nach Korea fahren.

3.2 Kyungju, Busan, Jeju – Das andere Gesicht Koreas

Auf mehreren Touren durch Südkorea habe ich festgestellt, dass es einen gewaltigen Unterschied zwischen der Metropole Seoul und dem Rest des Landes gibt. So hektisch Seoul erscheint, so ruhig und gelassen präsentiert sich der Rest der Halbinsel. Höchstens die 3,8-Millionen-Stadt Busan an der Südküste kann mit dem Trouble in Seoul mithalten. Hier sind ein Besuch des Fischmarktes und der Strände essentiell. Kyungju war früher Hauptstadt von Shilla, einem der drei Reiche, die später Korea bildeten. Vor tausend Jahren war sie mit einer Million Menschen die größte Stadt der Welt. Jetzt hat sie etwa 200,000 Einwohner, nennt sich „Museum ohne Mauern“ und enthält unzählige Reliquien der koreanischen Geschichte. Hügelgräber, Tempel, Paläste. Man braucht Wochen, um alles gesehen zu haben. Die Insel Jeju-do weit im Süden ist vulkanischen Ursprungs und wartet rund um den Hauptkrater mit beinahe tropischer Flora und Fauna auf. Wunderbare Strände, diverse Naturattraktionen (Wasserfälle, Höhlen, etc.) machen Jeju zu einem esentiellen Ausflugsziel. Im Norden lädt der Seorak-Berg, der zweithöchste Berg Koreas, zu ausgedehnten Hiking-Touren ein, nicht weit davon liegt der Ort Sokcho, der mit einem wunderbaren Strand lockt.

Eines der wichtigsten koreanischen Highlights ist das Essen. Man isst nicht bloß, man zelebriert das Essen. Eine Mahlzeit muss nicht nur gut schmecken, vor allem muss sie gut aussehen. Jede Region hat besondere Spezialitäten und fast jede davon ist eine Gaumenfreude, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

3.3 Zzimzilbang, Noraebang & Co. – Freizeitgestaltung in Korea

In Seoul kommt niemals Langeweile auf. Zunächst sind da die unzähligen „Sights“ zu nennen, Tempel, Paläste, Folk villages, Museen, War Memorial, Seoul Tower, Insadong, der Han River, Olympia Park, und so weiter. Soweit ich weiß, habe ich alle wichtigen Plätze besucht. Es empfiehlt sich, einige dieser Orte nur mit koreanischer Begleitung zu besuchen, um Hintergrundinformation, die nur auf Koreanisch vermittelt wird, zugänglich zu machen, wobei die meisten Museen und Touristenattraktionen sehr gut mit englischsprachigen Hilfsmitteln ausgestattet sind. Auch die U-Bahn erweist sich als sehr fremdenfreundlich: Alle Ansagen zweisprachig und ein übersichtliches, einfaches Bezahl- und Umsteigesystem (man vergleiche mit dem Chaos in Tokio!). Wie in den meisten asiatischen Großstädten wird zwischen 0 und 5 Uhr eine Betriebspause eingelegt, auch am Wochenende. Zum einen subventioniert das indirekt die 60,000 Taxis, die einen in der Zeit nach Hause bringen wollen, zum anderen fördert dies eine ausgeprägte Nachtkultur, da sich die meisten dazu entschließen, morgens die erste U-Bahn zu nehmen, die Nacht also sehr lang wird. In den letzten Jahren hat sich eine Einrichtung namens Zzimzilbang etabliert (die eigenartige Umschrift beruht auf einer inoffiziellen Konvention im Internet). Das ist eine Mischung aus Sauna und riesigem Badezimmer, 24 Stunden geöffnet, mit Schlafmöglichkeiten. Es hat sich zum allgemeinen Trend entwickelt, nach ausgiebigem Feiern so einen Zzimzilbang aufzusuchen und den Rest der Nacht dort zu verbringen. Nicht unerwähnt lassen möchte ich Noraebang, wir würden es vielleicht Karaoke-Bar nennen. In Korea singt man allerdings nicht in der Ecke einer Bar vor allen Gästen, sondern mit seinen Freunden in kleinen Kabinen und einem Computer, der etwa 200,000 Songs zur Auswahl bietet. Ich als Hobby-Musiker habe diese Einrichtung des Öfteren genutzt.

Mein Bemühen darum, in Seoul Musiker zu finden, mit denen ich musizieren kann, war im Juli erfolgreich. Mit einer kleinen Band spielte ich nach sehr wenigen Proben im Juli und im August insgesamt acht Auftritte in einem Club im Stadtteil Hongdae. Danach fand ich noch ein zweites Projekt, mit dem wir im Tonstudio einen Song aufnahmen. Ich bin sehr glücklich, dass das möglich wurde. Das Spielen vor einer begeisterten koreanischen Menge (auch wenn sie nicht allzu groß war) werde ich immer in Erinnerung behalten.

Ich habe in Korea viele Freunde gefunden, mit denen ich auch jetzt noch Kontakt habe. Ich bin sowohl von meinen Laborkollegen, als auch von vielen Menschen außerhalb der Universität stets mit Interesse, aber auch einer gewissen Schüchternheit behandelt worden. Viele Koreaner trauen sich anfangs nicht, mit mir Englisch zu reden, nach der Kennenlern-Phase werden sie dann meist lockerer und man spürt ihre herzliche Offenheit. Ich wurde meist ungefragt für einen Amerikaner gehalten. Die Reaktionen auf meine Auskunft, ich sei Deutscher, fielen meist sehr positiv aus, da Deutschland ein hohes Ansehen genießt. Die übliche Reaktion „Germany? Ah, soccer worldcup!“ wurde - Gott sei Dank - nur selten vom Satz „Germany? Ah, Adolf Hitler!“ begleitet.

Nach dem Aushängen eines Gesuchs nach einem Sprachpartner im Spracheninstitut der SNU meldeten sich zwei Studentinnen, die Deutsch lernen wollten, bzw. schon gut beherrschten. Vor allem mit ihrer Hilfe konnte ich meine Koreanischkenntnisse soweit erweitern, dass ich mich auf der Straße einigermaßen verständigen konnte (im Postamt, mit dem Taxifahrer, in der Bar…). Wenn sie im nächsten Jahr zum Studieren nach Deutschland kommen, kann ich mich für ihre vielfältige Unterstützung in Korea revanchieren. 

Gelegentlich stieß ich auf Unverständnis über meine offene Art. In Korea ist es nicht üblich, beim Kennenlernen viel von sich zu erzählen. Es dominiert Smalltalk und vorsichtiges „Abtasten“, viele verwirrte es, dass ich schon beim ersten Gespräch viel von mir persönlich preisgab (in Deutschland wäre das sehr normal, es macht eher einen schlechten Eindruck, wenn man nicht mehr als Smalltalk redet). Die höchste koreanische Tugend ist Höflichkeit, die meist soweit geht, dass ich es eher als Unehrlichkeit bezeichnen würde. Selbst wenn man eindringlich um negatives Feedback (bspw. Im Labor) bittet, bekommt man keines, selbst wenn völlig klar ist, dass es etwas zu kritisieren gibt. Es wird eher hinter dem Rücken geredet.

Insgesamt betrachtet gefällt mir die koreanische Gesellschaft und ihre Lebensart jedoch ausgesprochen gut. Ich ziehe es ernsthaft in Betracht, nach der Promotion noch einmal als „Postdoc“ nach Korea zu gehen. Die Kontakte sind jetzt da und diese schöne Zeit im Sommersemester würde ich gern noch einmal erleben!

4. Erfahrungen und Tipps

4.1 Was nicht vergessen werden sollte

Hier möchte ich einige Dinge auflisten, an die man VOR der Abreise nach Korea denken sollte.

4.2 Alltag in Korea

Hier sind meine Tipps zum Leben in Korea:

4.3 Hilfreiche Links und Adressen

5. Danksagung

Ich möchte dem DAAD für die Unterstützung ausdrücklich danken! Zum einen meine ich damit die finanzielle Unterstützung, ohne die dieses Unterfangen nicht so leicht möglich gewesen wäre. Zum anderen freue ich mich sehr über die Unterstützung in organisatorischer Hinsicht, die Vermittlung der Krankenkasse, die Betreuung vor, während und nach dem Auslandsaufenthalt, das Zusenden von Kontaktformularen zur Deutschen Botschaft in Seoul, und diverse „kleinere“ Hilfestellungen. Ich möchte mich für Ihren Service revanchieren, indem ich mich für künftige Korea-interessierte Studierende für Informationen zur Verfügung stelle.

Im Hinblick auf den Abschlussfragebogen möchte ich noch einmal erwähnen, dass der Service weit über das hinausging, was ich bei der Antragstellung erwartet hatte. Wenn um Kritik und Anregung gebeten wird, fällt mir daher nichts ein, was der DAAD an seinem Service verbessern könnte. Vielen Dank!

Ich möchte außerdem meiner koreanischen Freundin danken, die mich (vielleicht unfreiwillig) auf „ihr“ Land aufmerksam machte und mich bis kurz vor Abreise bei der Vorbereitung unterstützte.

Meinen Eltern gebührt Dank, da auch sie mich finanziell wie mental stets unterstützten.

Ich danke Prof. Park und Prof. Yoo für ihre Kooperation und die bereitwillige Aufnahme in ihren Arbeitskreis!

Ich danke meinen neuen Freunden in Korea! Es war eine wunderbare Zeit!